Kantatenvesper in der Zuiderkerk Enkhuizen
Am Sonntag, den 31. Mai um 17:00 Uhr können Sie erneut Musik von Johann Sebastian Bach genießen, aufgeführt vom Enkhuizer Bach Ensemble unter der Leitung von Jerry Korsmit.
Diesmal keine Kantate, sondern eine Motette.
Motetten, vom französischen Wort „mot“ (Wort), galten zu Bachs Zeiten als aus der Mode. Sie wurden als altmodisch angesehen, und man bevorzugte Kantaten, die mit ihrer Instrumentalbegleitung eher Opern ähnelten – ein sehr beliebtes Genre. Obwohl sie nicht mehr in Mode waren, wurden sie sonntags im Gottesdienst weiterhin aufgeführt, doch Komponisten schrieben nicht mehr so häufig neue Motetten.
Bach komponierte seine Motette BWV 226 „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ daher für einen besonderen Anlass. 1729 verstarb der Rektor der Thomasschule, der der Kirche angegliederten Schule, an der Bach wirkte. Professor Johann Heinrich Ernsti hatte die Schule 45 Jahre lang geleitet und lehrte zudem Poesie an der Universität Leipzig. Sein Tod war vermutlich schon länger absehbar, denn Ernsti, mit dem Bach ein gutes Verhältnis pflegte, wählte höchstwahrscheinlich persönlich den Text der Motette, die bei seiner Beerdigung in der Leipziger Universitätskirche gespielt wurde. Der Text, Römer 8,26–27, ist weniger ein Trauertext als vielmehr ein belehrender, zugleich aber auch tröstlicher und ermutigender Text: Wenn wir Menschen in der Hoffnung und Erwartung dessen, was Gott verheißen hat, scheitern, kommt uns der Heilige Geist zu Hilfe.
Bach geht dabei sehr großzügig vor. Wie schon in der Matthäus-Passion verwendet er die „Cori-spezzati-Technik“, bei der der Komponist die Musik auf zwei separate Chöre aufteilt, die einander anstimmen. Die Musik, die Bach für seinen Freund komponierte, klingt heiter und beschwingt – ganz und gar nicht das, was man bei einer Beerdigung erwarten würde. Die Kantatenvesper beginnt mit einem Werk des amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen (1943): Veni, Sancte Spiritus.
Der Eintritt ist frei. Am Ende können Sie eine freiwillige Spende geben.
