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Festungsstadt Enkhuizen

Die Festungsanlagen von Enkhuizen: Über Jahrhunderte entstand eine sichere Stadt

Wer heute über die Vest spaziert, sieht einen grünen Gürtel aus Wällen und Grachten, der die historische Altstadt umschließt. Diese Festungsanlagen prägen seit Jahrhunderten das Stadtbild von Enkhuizen. Ihre Geschichte beginnt jedoch schon viel früher – mit einem Turm, der längst aus dem Stadtbild verschwunden ist.

Der Englische Turm

Die Geschichte der Enkhuizer Verteidigungsanlagen beginnt im Jahr 1396 mit dem Bau des Englischen Turms (Engelse Toren). Er stand am Ende der Bocht, auf Höhe der Breedstraat. Der Turm entstand in einer Zeit, als die Grafen von Holland Friesland angriffen und Enkhuizen als militärischer Ausgangspunkt diente.

Ab 1602 erhielt der Turm eine völlig neue Funktion. Die Enkhuizer Kammer der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) nutzte das Gebäude als Büro. Als die VOC in Enkhuizen weiter expandierte, zog die Kammer keine dreißig Jahre später in ein größeres Gebäude an der Wierdijk um. Der Englische Turm, der auch Ostindischer Turm genannt wurde, wurde anschließend an einen Gastwirt vermietet. Im Jahr 1829 wurde der Turm schließlich abgerissen.

Von der Stadtmauer zur Festung

Nach dem Bau des Englischen Turms entstanden die ersten kurzen Erdwälle und vier Stadttore. Erst 1530 begann der Bau einer vollständigen Stadtmauer rund um Enkhuizen. Dieses Vorhaben war äußerst kostspielig. Aufgrund des weichen westfriesischen Bodens musste die gesamte Mauer auf Pfählen gegründet werden. Erst vierzig Jahre später, im Jahr 1570, war der letzte Abschnitt fertiggestellt.

Lange erfüllte die Mauer jedoch ihren Zweck nicht. Die Entwicklung schwerer Artillerie machte gemauerte Stadtbefestigungen verwundbar. Die Heere von unter anderem Philipp II. und dem Herzog von Alba verfügten über Kanonen, die solche Mauern vergleichsweise leicht zerstören konnten. Deshalb wurde die Stadtmauer bereits Ende des 16. Jahrhunderts wieder abgetragen.

Entdeckte Mauerreste

Von dieser mittelalterlichen Stadtmauer ist nur ein kleiner Teil erhalten geblieben: die untere Hälfte der Drommedaris. Der Rest liegt verborgen unter der Stadt. Archäologen stoßen noch regelmäßig auf die Fundamente, etwa bei Arbeiten an der Ecke Westerstraat und Paulus Potterstraat, wo die Überreste des alten Westerpoort entdeckt wurden. Auch die Oude Gracht und das Spaans Leger erinnern noch an die Grenze des mittelalterlichen Enkhuizen.

Eine neue Festung für eine wachsende Stadt

Am 15. September 1596 beschlossen die Bürgermeister und der Stadtrat, dass Enkhuizen zu klein geworden war. Der wirtschaftliche Aufschwung führte zu einem Mangel an Häfen, Lagerhäusern und Wohnraum. Gleichzeitig wurde ein modernes Verteidigungssystem erforderlich.

Bereits 1579 hatten die Staaten von Holland den Festungsbaumeister Adriaen Antonisz beauftragt, die Befestigungsanlagen in Holland und Zeeland zu modernisieren. Auch die neue Festung von Enkhuizen entwarf er nach dem Alt-Holländischen Festungssystem (Oud-Hollands Stelsel). Statt hoher Steinmauern setzte er auf breite Erdwälle, die den immer stärkeren Geschützen jener Zeit deutlich besser standhalten konnten.

Die Vest blieb erhalten

Während viele niederländische Städte ihre Festungsanlagen im 19. oder 20. Jahrhundert abrissen, um Platz für Stadterweiterungen zu schaffen, blieb die Vest von Enkhuizen größtenteils erhalten.

Erst in den 1960er-Jahren entstand der Bedarf, außerhalb der historischen Stadtgrenzen neue Wohngebiete zu entwickeln. Glücklicherweise erkannte man damals bereits den großen Wert der historischen Festungsanlagen. Das neue Wohnviertel Plan Noord wurde außerhalb der Vest angelegt. Dabei spielte die Städteplanerin Ir. E.F. (Elze) van den Ban eine wichtige Rolle. Sie empfahl, das Schootsveld als grüne Übergangszone zwischen der historischen und der neuen Stadt zu erhalten. Dieser Empfehlung wurde gefolgt.

Dank dieser Entscheidung bilden die Wälle und Grachten bis heute einen grünen Ring um die historische Altstadt. Damit sind die Festungsanlagen von Enkhuizen nicht nur ein sichtbares Zeugnis der Vergangenheit, sondern auch eines der markantesten Merkmale der Stadt.

Vereinigung Niederländischer Festungsstädte

Seit dem 4. April 2025 ist Enkhuizen offiziell Mitglied der Vereniging Nederlandse Vestingsteden (VNV), der Vereinigung Niederländischer Festungsstädte. Auf der Website der VNV wird Enkhuizen gemeinsam mit den vielen anderen Festungsstädten der Niederlande vorgestellt. Dort finden Besucher nicht nur Hintergrundinformationen, sondern auch Routen, Veranstaltungen und Geschichten, die die Geschichte der niederländischen Festungsstädte lebendig halten.